Wahrnehmung – ein komplexer Prozess
Oder – ist Menschenkenntnis lernbar?

Der Wunsch, andere Menschen besser einschätzen zu können, möglichst gleich auf den ersten Blick, der ist bei vielen von uns einfach da.
Aber was passiert eigentlich in uns, wenn wir einem Menschen zum ersten Mal begegnen? Jeder kennt das - wir werden jemandem vorgestellt, den wir auf Anhieb sympathisch finden oder eben nicht. Aber warum eigentlich?

Zunächst einmal: Die Wahrnehmung einer anderen Person funktioniert nicht so rational und wohl überlegt, wie wir das gerne glauben. Auch wenn wir nur ungern zugeben, dass wir in unserer Menschenkenntnis instinktgesteuert und damit emotional sind, und lieber auf unsere Erfahrung verweisen. Menschenkenntnis ist in erster Linie das Ergebnis ganz eigener persönlicher Erfahrungen.
Wenn wir einen Menschen treffen, dann scannen unsere Augen das Gegenüber innerhalb von Bruchteilen einer Sekunde und in uns entsteht aufgrund von Kleidung, Gestik, Mimik und Körperhaltung ein erstes Bild dieser Person.
Hier lohnt sich ein kleiner Ausflug in die Neurophysiologie: über die Augen und die darin befindlichen Photorezeptoren werden visuelle Informationen(in diesem Fall die Person uns gegenüber) aufgenommen und dann über den Sehnerv weiter ins Großhirn geleitet. Dort erfolgt im ersten Schritt die Bewusstwerdung der visuellen Impulse (primäre Sehrinde), wir ‚sehen’ also unser gegenüber, und im zweiten Schritt (sekundäre Sehrinde) erfolgt die Interpretation des Wahrgenommenen. Wir interpretieren sehr schnell die Wahrnehmung von Gesichtern, von bestimmten Situationen, wir unterscheiden Vertrautes von nicht Vertrautem. Während dieses ganzen Prozesses leiten Nervenfasern Informationen über die visuellen Informationen in das limbische System. Dort werden sie anhand derdarin persönlich gespeicherten Bilder und Erfahrungen eingeordnet und bewertet.
Unser Gehirn ermöglicht also nicht nur die Wahrnehmung, sprich das alleinige Sehen unseres Gegenübers, sondern liefert uns relativ schnell auch noch eine Interpretation und Bewertung des Wahrgenommenen.

Die genauen Vorgänge sind bis heute nur ansatzweise verstanden. So wissen wir beispielsweise, dass das limbische System stark an emotionalen Vorgängen beteiligt ist und eine wichtige Rolle für unser Gedächtnis spielt.
Unsere Meinung und unser Bild von anderen Menschen sind also keineswegs frei von Emotionen und rein rational gebildet. Allen Menschen, denen wir begegnen treten wir mit den Vorurteilen, die sich durch Erlebnisse und Erfahrungen in uns bildeten, gegenüber. Der Mensch, der mir vorgestellt wird, erinnert mich an jemanden oder etwas und je nachdem, ob wir mit dieser Erinnerung eher positive oder negative Erfahrungen verknüpfen, urteilen wir über unser Gegenüber positiv oder negativ. Dabei spielt es keine große Rolle, ob wir diese Erfahrungen selbst gemacht haben oder ob wir von bestimmten Typen aus Film- und Fernsehen erlebten.
Dessen sollten wir uns bewusst sein, um unsere Vorurteile gegebenenfalls auch korrigieren zu können. Denn sonst ist es oft schwer für unser Gegenüber aus dieser Schublade, in die wir es stecken, wieder heraus zu kommen.

Die Universität Princeton hat zudem herausgefunden, dass es eindeutige Merkmale in Gesichtern gibt, die Vertrauen erwecken und solche, die Angst auslösen. Dasselbe konnte noch für andere Charaktereigenschaften, wie z.B. Fröhlichkeit und Ernsthaftigkeit, Stärke und Schwäche, belegt werden. Die Forscher fanden heraus, dass wir sehr schnelle Entscheidungen darüber treffen, ob man sich jemandem annähert oder den Kontakt lieber meidet (http://www.princeton.edu/main/news/archive/S21/79/44O45/).
Für eine sachlichere Menschenkenntnis ist daher ein System wie die Psycho-Physiognomik eine überaus große Hilfe.

 

Zur Anmeldung